Es ist ja nicht so, dass der Wahnsinn an der Tür klingelt und sagt: „Guten Tag, ich bin Herr Wahnsinn und suche eine Blöde. Haben Sie ein 24-stündiges intensives Betreuungsangebot für bekloppte, irrsinnige und durchgeknallte, alternde Geocacher?“

Nein, so war es leider nicht. Ich hätte an die Worte meiner Mutter gedacht, und das hat eindeutig was mit Sodom und Gomorra zu tun, und ich hätte die Türe zugeknallt.

Der Wahnsinn kam gut getarnt, auf leisen Sohlen, vollkommen unerkannt, schleichend und mucksmäuschenstill ins Haus. Urplötzlich erschien er dann in vollendeter, strahlender und beeindruckender Größe: SCHATZ.

Der Anfang war IKEA. Hier hat Schatz 64 Aufbewahrungskisten gekauft. Er wollte sein Nerd-Messi-Büro mal so richtig aufräumen und das seit 1994 errichtetes Applemuseum auflösen. Dabei ist etwas geschehen, vielleicht ein schimmeliges Logbuch, eine nostalgisch gesammelte und verschrumpelte Kastanie aus 2005, eine Playmobil-Männchen mit Zettel im Kopf, eine Rechnung von Tupperware oder, oder, oder…
Keine Ahnung! Ich sitze noch auf dem Sofa und merke nichts – erstmal.
Es werden nur zwei Kisten sortiert und der Anfang vom Ende beginnt.

Am nächsten Tag sitzt Schatz da – sternförmig umringt von Garmin-Geräten. Ich denke an Ebay und unseren unerwarteten Reichtum und sehe mich im Flieger nach Egalwohin und zwei nette Tage mit Schatz. Alles wird geladen, überprüft und poliert. Da hätte es mir auffallen müssen: Das Blitzen in den Augen, die unerwartete und sprudelnde gute Laune. Ich bin so doof!

Der Keller wird durchwühlt und die Klamotten vom Waldschrat werden gewaschen, und auch diese Heinblödmütze wird leider wiedergefunden. Ich muss das nächste mal sofort zum Altkleidercontainer. Jetzt ahne ich schreckliche Dinge. Ich habe Angst!

Da sehe ich einen Facebookeintrag von Schatz: „Back in the game“. Ich erstarre, der Schrecken der Vergangenheit holt mich ein. Sofort habe ich Hunger und Durst, ich bin durchnässt vom Regen, mir ist kalt, es ist dunkel, ich muss Pipi, ich bin allein und sitze auf einem Berg von Nacktschnecken. Mist!

Ich denke an Dr. Wolf, unseren gemeinsamen Scheidungsanwalt, da er aber eher fiktiv ist, finde ich keine Telefonnummer. Gedanklich drehe ich mich im Kreis und habe keine Ahnung, wie ich das hier abwenden kann. Er ist so glücklich!

Krampfhaft suche ich auf meinem Handy Fotos von besseren Zeiten. Das hilft immer in Extremsituationen. Hier nicht! Ich sollte alleine mit meinem Hund leben, sagen mir die Fotos.

Ich schaue mir Cronicas Vampiricas auf spanisch an und denke an Auszug.

Auf der Suche nach mehr Toleranz gegenüber einem irren Partner google ich nach: „Man muss das Leben so nehmen wie es kommt.“ Ungefähr 30.200.000 Ergebnisse (0,52 Sekunden), die Zahl finde ich beeindruckend… andere haben auch Probleme, das hilft mir.

Ich bin nicht allein!

Toleranz ist ein gutes Stichwort und wird nun meine neue Maxime für ein besseres Leben mit attestiert Bekloppten. Ich entscheide mich erneut für ein JA. Habe ja schon mehrmals JA gesagt, also ist das jetzt auch egal, habe wohl eine Affinität für den Irrsinn des Lebens. Alles wird gut…

 

Es fängt an wie es aufgehört hat.

Es ist Ostersonntag, sonnig sieht anders aus, aber auch ok. Ich bin eingelegt in San Miguel und Aioli vom äußerst witzigen und lebendigen Vorabend mit absolut genialen Freunden.

Schatz nutzt das aus und kommt mit seiner grandiosen Idee „Silberbachtal“ an, und ich habe noch Restalkohol und hauche: „JA gerne“. Irgendwie freue ich mich sogar, ist wahrscheinlich meine neue buddhistische Weisheit. Toleranz.

Wenn die Geduld und die Toleranz von der Neigung Abstand nehmen, fest und unbeugsam zu bleiben, dann müssen wir das nicht als ein Zeichen von Schwäche und des Zurücksteckens sehen, sondern vielmehr als ein Zeichen innerer Kraft. Auf diese Weise zu reagieren erfordert Zurückhaltung, die unerlässlich ist für einen starken Geist und für Disziplin.

Euer Daila Lama

 

Angekommen im Silberbachtal denke ich so: Der Dalai Lama ist ein Arsch. Ich habe Muskelkater vom Osterlauf, bin müde und möchte am liebsten ins Café. Wir gehen, alles wird gut. 1. Cache sofort gefunden, 2. Cache und ich bin wach, habe schon bei der Suche viel zu lachen. Schatz hat für einen Blinden ein komisches Hobby!

Der neue Abschnitt „Geocaching – Lebensabschnitt (Teil 2)“ sieht für Schatz anders aus. Er wird nur im Tauchanzug, mit Helm und Knieschonern das Haus verlassen dürfen.

Im Ernst: Der 2. Cache und der Typ knallt ins Wasser, schlägt sich Kopf und Knie auf! Bitte.

Seniorencachen ist jetzt wohl angesagt! Da steht er nun mein Cacher, nass mit Beule, aber super gelaunt. Kurz überlege ich, ob jetzt alle Tassen wieder im Schrank sind – die Hoffnung stirbt zuletzt.

Wir cachen weiter und die trüben Augen finden sogar noch hier und da was. Selbst ich laufe durch die Gegend und bewundere das Maigrün der Natur und referiere über die Schönheit der Erde. Vielleicht ist unbemerkt ein Baum auf mich geknallt und ich habe es einfach nicht bemerkt.

Angekommen am Parkplatz bin ich sogar glücklich. Es war wohl ein Baum mit Cannabisblüten! Ein wirklich schöner Tag. Danke Irrer. Unddas schreibe ich wirklich ungern!

%d Bloggern gefällt das: