Nicht für Geocacher geeignet – bitte nicht weiterlesen, wenn du ein Geocacher bist!
Man musst nicht jeden Beitrag lesen!

Vorab meine PostIt-Notiz:
Wenn Schatz wieder sagt: „Lasst uns einen schönen Ausflug machen!“, dann schnell:
– 110 wählen, bürgerlichen Namen, Blutgruppe und Krankenkasseninfo von Schatzi durchgeben. Schon vorab entschuldigen für alles was sie hier vorfinden und um 20-30 Minuten Zeit bitten.
– Schatzi bearbeiten und die drei L´s (Lütte, Lissi, Leben) nehmen, das Haus verlassen und niemals nimmer zurückkehren.

Der Anfang…
Es ist 8.15 MEZ at home und mein Leben wird durch liebliches Vogelgezwitscher geweckt. Ein schöner Sonntag, Schatzi geht in irgendeine Pfütze springen und ist zum Tauchen irgendeinem See verabredet, der Sohn bei der Oma und für mich die schönste Zeit nach dem ganzen Arbeitsstress. JA! Das wird so genial! Liegen, lesen und stinkfaul sein…

Schatzi kommt gut gelaunt rein und sagt: „Lasst uns einen schönen Ausflug machen! Du wolltest doch immer mehr Zeit mit mir verbringen.“ Ja klar, aber warum heute?! Ach, denke ich, er hat ja Recht, der liebe Mann, und nun ist er schon extra wegen MIR nicht in den See gesprungen. Also Butterbrote schmieren, Schnuck einpacken und Getränke verstauen. Fertig!

Schatz, Lissi und ich brausen los – und ich wundere mich schon – die Uschi, so der Name unseres GPS-Gerätes, zeigt mir eine Uhrzeit weit, weit weg an. Egal, der will mir bestimmt so richtig was bieten, mein Superhase….

Also sitze ich im Auto und sehe mich Boot fahren auf der Weser, zum Mittagstisch in einem gutbürgerlichen Gasthof in der Sonne am Ufer sitzen und Stöckchen schmeißen für meine Lissi.

Man sagt ja Liebe macht blind. Mich macht Liebe wohl blind und blöd. Ist sicherlich eine Steigerungsform für Menschen, die eindeutig schon zu lange verheiratet sind.

Natürlich habe ich schon die Zettelwirtschaft bemerkt und das vollkommen überladene Auto mit Kletterklimbim, aber was dann folgte, ja damit habe ich dann doch nicht gerechnet.

Die erste Station, der Cache hat viele Sternchen, und das auch sicherlich ganz klar verdient. Nacktschnecken sitzen überall herum, nach 15 Minuten hätte ich spucken können. Dann musste ich die auch noch immer mit einem Stock von links nach rechts schieben. Der Hint war „Wenn du mich findest, hast du gute Augen“, also mussten wir wirklich jede Ritze durchsuchen. Das war so das ekeligste Erlebnis. Alles voll mit den Tieren. Wir finden nichts und müssen erst einen anderen Cache vom Owner suchen – soll ein ähnliches Versteck sein und hier dann helfen.

Einen Kilometer Fahrt, mannshohe Brennnesseln säumen den Weg und Schatz geht allein den Berg hoch. Ich warte, warte, es regnet in Strömen und ich habe ein süßes Woll-Jäckchen an. Total nass stehe ich da und Schatz kommt 20 Minuten später wieder und hat nichts gefunden. Im Auto trockne ich mich mit den alten Sachen meines Kindes ab, die zum Glück noch nicht im Altkleider-Container gelandet sind, und Schatz fragt mich (in seiner wasser-winddichten und atmungsaktiven Jacke mit einem Urzeit-Viech drauf) vollkommen ernst, was ich hier mache.
Da war es mir wieder klar, die Marsmännchen haben Schatz hier bei uns vergessen oder ausgesetzt und ich blöde Kuh habe irgendwann vor Jahren im April ein JA gehaucht. Falscher Tag, komische Frage, dumme Antwort.

Zurück zum ersten Cache, und ich darf im Auto warten.

Schatz kommt zurück mit diesem FFG (FinderFreudeGesicht), und mir ist nun auch klar wer genau unsere Vorfahren waren:
Auto = Höhle
Ich = eine von 10 Beeren-suchenden Höhlenputzfrauen
Schatz = einer der drei stärksten Bekloppten in unserer Sippe
Cache = Mammut

Schatz hatte das Mammut und erzählte mir freudig wie er es aufgespürt und erlegt hat. Leider konnte ich sein Mammut nicht essen und hungrig war ich nun schon. Da hörte ich sein 1. „Später…“  – ja ja, was später so alles heißen kann…

Der nächste Cache ist schnell gefunden und abgeklettert. Jetzt geht es bestimmt essen…“Später…“
Nein, noch schnell über die Weser mit der Fähre…
Noch schnell (1,5 Stunden) hier hin…

Ich saß still und unterzuckert neben Schatzi und hatte so meine eigenen kranken Gedanken. Vor Jahren habe ich mal einen Krimi gelesen und da standen richtig durchgeknallte Dinge drin und ich dachte so bei mir, was für Drogen muss man nehmen um so gestörte Gedanken zu haben. Heirate einen Cacher! Total kostenlos und der Therapeut wird vielleicht noch irgendwann von der Krankenkasse übernommen.

Irgendwann darf ich zu Mc Donalds und es gibt einen Kaffee Latte und ein frischen Bagel. Das allerdings bei Kilometer 320! Es ist nun 17.00 Uhr irgendwas und ich bin schlappi. WIR müssen aber noch zwei Caches machen und darum wird nun eine riesige Wiese abgesucht und das ohne Metallsuchgerät (dieses wird allerdings im Listing empfohlen). Egal, das Leben ist schön! Der Cache wird auch gefunden und nun kommt „nur noch“ ein Cache. Danke!

Wir kommen dort an und mitten auf dem Feld steht ein Schild, dass Hundkot hier nicht willkommen ist. Ich lache noch so blöde in mich hinein und denke, was für ein dämliches Schild mitten in der Einöde. Ich sollte diese Woche Lotto spielen. Ich steige aus und trete in den fettesten Hundehaufen, den ich jemals gesehen habe. Weit und breit liegt auch kein zweiter, und ich beschließe einfach mal so für mich: Ist nicht mein Tag!

Cache gehoben und trotz längerer Säuberung leicht hundekotstinkend geht es @ home. JEAH!

Neeeeee, die Rechnung nicht mit den Matrix-Mann gemacht.  Die Matrix ist nun voll und nun darf man auf einen dicken hohen Baum in PB klettern. Mir ist so ziemlich alles egal, ich bin müde, genervt und stinke. Was kann mich heute noch erschüttern?!

Angekommen, gefunden und Schatz breitet seinen Kletterklimbim aus und versucht mit seinem kleinen gelben Wurfsack eine Stelle weit oben zu treffen. Das dauert… Natürlich hat er auch Pech, und hier und da fehlen wirklich nur Zentimeter. Schatz sagt schon zum 10. Mal: „Nur noch 3 Versuche.“ Irgendwie kann Schatz schlecht zählen und schlecht werfen. Mir ist alles egal und zwischendrin wünsche ich mir sogar, dass Schatz einfach seinen kleinen gelben Wurfsack mir zwischen die Augen wirf und alles vorbei ist. Sicherlich ist der frühe Tod hier hinter der müllvergammelnden Hecke bei Wincor nicht unbedingt der Ort, an dem man aus dem Leben scheiden möchte – aber der Ort war mir egal, nur der Moment war mir gerade wichtig.

Schatz wirft auch einige Male in meine Richtung, verfehlt mich aber leider. Dann kommt dieser magische Moment, eine Fee kommt vom Himmel herab, verteilt Sternenstaub und ich mache einen Freuden-Bingo-Bongo-Tanz im Müll an der Hecke. Der kleine gelbe Sack hängt im Baum und will nimmer mehr runter, nach energischem Ziehen reißt die Leine und ungeahnte Glückshormone werden bei mir frei gesetzt.

Schatz steht traurig am Baum. Ich reiße mich zusammen und tröste ihn. Einen neuen Sack soll er sich kaufen und morgen oder irgendwann mit einem Freund wieder hier hin gehen und jetzt soll er mal mit mir zum Auto gehen.

Es ist geschafft! Beim Türken Auberginenenauflauf abholen und @ home.

 

Ich möchte mich bedanken bei:
Detlef, für die gute Ermutigung zum verfassen dieses Textes und Deinen Anruf (Schatzi ist nicht allein auf dieser Welt) sowie die tröstenden Worte. Danke, du kümmerst dich so gut um Schatzi, wie ich es niemals könnte.

Doris, für die 1.000 l Martini, die Du in der nächsten Zeit in mich hineinkippen musst, um dieses Trauma zu verarbeiten.

Lissi, dass du nicht im Tierheim über den Zaun REIN gesprungen bist.

Schatzi, Du bist wirklich ein toller Mensch. Danke für einen schönen Tag, und das meine ich ernst.

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