SchwarzTaucher: Viele Geocacher aus unserer Region kennen Dich aus den Benachrichtigungsmails: „James Bond published:…“. Seit wann bist Du Reviewer und wie sieht Dein Reviewer-Alltag aus?

James Bond: Ich bin seit Juli 2009 Reviewer, der Ruf ereilte mich überraschend während meiner Ferien, aber Geocaching betreibe ich natürlich schon länger, seit Sommer 2005. Seit 7/2009 habe ich fast 13.000 Listings gepublished. Gibt es einen typischen Reviewer-Alltag? Ich bin fast jeden Tag tagsüber in irgendeiner Form als Reviewer online, im Schnitt sind es bestimmt 1 bis 2 Stunden – und das fast jeden Tag. Entweder springe ich sofort auf die NRW-Schlange und versuche sie zu kürzen oder aber ich arbeite erst die Rückläufer von Listingbeanstandungen der letzten Tage ab, was leider einen sehr hohen Anteil und Aufwand ausmacht, fast 80% aller Listings bedürfen der Nachbearbeitung in irgendeiner Form. Dann kommen die normalen Mails wegen Koordinatenänderungen, Koordinatenprüfungen usw. dran, wobei es mir da sehr helfen würde, wenn jeder gleich einen Link zum Listing, mindestens aber die GC-Nummer zusammen mit seinem Anliegen (was gemacht werden soll) in seiner Mail schicken würde. Bei der Link brauche ich nur einmal zu klicken und bin schon da wo ich hin soll. Meist gehe ich dann abends auch noch einmal online und schaue noch einmal über die eingetroffenen Reviewer-Notes mit den Korrekturen und Ergänzungen der Cacher.

SchwarzTaucher: In einem Kommentar auf meiner Seite steht etwas davon, dass man die „Reviewer zu etwas verdonnern“ möchte, was meinst Du dazu?

James Bond: Nun, leider geht das nicht, weil wir alle freiwillige, ehrenamtliche Kräfte in unserer Freizeit sind. Wir engagieren uns dafür, dass Caches nach den allseits anerkannten Regeln gelegt werden und geben ebenso gerne Hilfestellungen, wo es nötig ist. Gleichzeitig sind wir aber auch Player, also Sucher, die jetzt im Frühjahr selbst suchen gehen wollen. Ferien o.ä. wollen wir natürlich auch mal machen. Und – viele glauben es nicht – es gibt auch noch ein Leben neben dem Geocaching, ja wirklich, auch für Reviewer!

SchwarzTaucher: In den letzten Wochen hat sich die so genannte „Warteschlange“ der Caches, die auf Eure Freischaltung warten, in ungeahnte Höhen erhoben.

James Bond: Das Geocaching hat in den letzten Monaten eine fast explosive Entwicklung genommen und sich von einer weitgehend unbekannten Randsportart (Geokätsching – wat ist denn dat?) zu einer Massenbewegung entwickelt, die in Zeitschriften und sogar im TV und Radio schon häufiger erwähnt wird. Mittlerweile erntet man unterwegs mit der Bemerkung, man sei Geocacher, bei den meisten Muggels keine ratlose Miene, sondern ein verständnisvolles Kopfnicken. „Ja, davon habe ich schon gehört und mein Neffe macht das auch.“ Das ist einerseits schön, führt aber in den Sommermonaten zu den Staus bei der Freischaltung, wie wir es jetzt erleben.

SchwarzTaucher: Wir sind ja neugierig! Sicher gibt es auch im Reviewer-Leben schöne Momente. Kannst Du uns vielleicht eine besonders schöne Begebenheit „aus dem Nähkästchen“ ausplaudern, die Dir beim Reviewen untergekommen ist?

James Bond: Die schönsten Momente sind immer die, wenn ich ein Listing vorgelegt bekommen, von dem ich gleich merke, dass der Verfasser es mit Sorgfalt erstellt hat, das heißt, die Koordinaten sehen alle stimmig aus, bei Multis und mehrstufigen Mysteries wird sauber zwischen „Question to Answer“ und „Stage of a Multicache“ unterschieden, die Größenangabe ist gemacht, sinnvolle Attribute sind gesetzt, alle Wegpunkte sind in der Additional Waypointlist (was besonders bei Mystery-Caches von Neulingen ein Problem darstellt), bei Wegpunkten in Naturschutzgebieten sind diese nur gering von offiziellen Wegen entfernt und die entsprechende Erklärung steht im Listing, und es gibt keine oder nur marginale Abstandskonflikte. Wenn das bei einem 13-stufigen Multi so wie oben beschrieben funktioniert und man endlich wieder ohne Umschweife und Ehrenrunde den „Publish“-Knopf drücken kann – das ist für mich ein schöner Moment, denn ich gebe viel lieber ein Listing frei als eine ellenlange Liste mit an sich vermeidbaren Versäumnissen erstellen zu müssen.

SchwarzTaucher: Vielen Dank, dass Du Dir für uns und die Community die Zeit genommen hast!

Übrigens: Tipps & Tricks gibt es auch auf den Info-Seiten der deutschsprachigen Reviewer: http://www.gc-reviewer.de/

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