Natur und Technik, Einsamkeit und Individualität. So lässt sich in kurzen Worten der Geocacher der ersten Stunde beschreiben. Ausgerüstet mit einem GPS-Gerät, das auf kleinem Monochrom-Display nichts als Zahlen und vielleicht noch einen Richtungspfeil anzeigte, schlug sich der Geocacher 1.0 abenteuerlich durch die Natur. Damals war man allein, individuell, fast einsam. “Wenn ich einen Cache finden wollte, musste ich schon bis Bielefeld fahren”, so ein Paderborner Geocacher 1.0 der ersten Stunden, denn schließlich hatte den einen Cache, den es in Paderborn gab, selbst gelegt. Der Individualismus der Geocaching-Pioniere war so groß, dass es fast schon störend war, das ein anderer die Dosen ausgelegt hatte, die man selber suchte. Neben der Geocaching-Website gab es keinen Austausch. Beim Cachen war man allein! Zufällige Treffen am Cache oder gar Mini-Events bei der FTF-Jagd waren statistisch betrachtet ausgeschlossen. Events? Wen sollte man dort treffen? Die zehn anderen Früh-Nerds der Region? Technikbegeisterte Informationsverarbeiter mit Internetanschluss und Bewegungsdrang. Die konnten schon damals im “Real-Life” nicht sprechen. Der einsame Dosensucher war Individualist durch und durch: Geocacher 1.0.
Demnächst:
Der Geocacher 2.0
Der Geocacher 3.0


Na das trifft es schon recht genau.
Ich habe meinen ersten Cache hier in Nürnberg im April 2002 gefunden, knapp 10 Jahre ist das jetzt her. Es war übrigens ein FTF, nur war diese Abkürzung noch gar nicht erfunden. Und das war es dann auch, die nächste Dose war 50 km entfernt. Meinen ersten gefundenen Cache gibt es übrigens immer noch, aktuell hat er 1186 Funde – daran war damals natürlich nicht zu denken.
Der Gedanke, jemand anderen beim Suchen zu treffen kam mir gar nicht, die Wahrscheinlichkeit war einfach zu gering.
Oje, bin ich doch schon Altcacher? Monochrom, 10-Meter-Genauigkeitsanzeige, einsame Fußmärsche… das kenne ich. Ich war allerdings nicht der einzige Cacher in meiner Stadt – da gab’s schon welche, die länger dabei waren.
So war das eben. Damals. In der guten alten Zeit. Naja, eine Top50 auf dem Notebook auf dem Beifahrersitz hatte man schon. Manchmal jedenfalls. Und Powercaching waren 6 Dosen und 300 km zu fahren.
Das waren noch Zeiten anno 2001/2002…
Ich denke auch gern noch daran zurück. Man musste schon viel mehr Zeit und Energie aufwenden, um eine Dose zu finden. Wie oft stand ich vor einem Graben oder einem Hindernis, da ich weder eine Karte auf dem GPS oder eine TOP50 dabei hatte. Nur dem Pfeil folgen war die Devise
Aber toll war es, so oder so!
Ja damals. Ohne GPS-Empfänger zog der kleine morinox damals noch los, nur mit einem Ausdruck der Cachebeschreibung, einer Karte der Umgebung und einem groben Mapquest-Kartenausdruck zur Positionierung bewaffnet. Und selbst Multis liessen sich so finden, mit mehrmaliger Anfahrt. Und Filmdosen gab’s da auch noch nicht. Das hätte keiner gewagt
Ja, damals….
Und nun hab ich selber Filmdosen im Einsatz. Verkommene Welt, das.
Da würde ich gern mal einen längeren Bericht lesen! Dosensuche 1.0 in Paderborn!
Ich selbst habe ja erst 2007 angefangen zu cachen, aber da die Anzahl der Geocacher nicht linear, sondern exponentiell gewachsen ist, spüre auch ich bei gerade mal 5 Jahren “Erfahrung” einen deutlichen Unterschied.
Die ersten – aus heutige Sicht – Rotzdosen haben früher noch zu einem Spannungskribbeln in der Magengegend geführt. In 5 Jahren ist der Anspruch aber stetig gestiegen. Entweder man ist zum reinen Statistik-Cacher geworden, weil eine Dose pro Woche nicht mehr reicht, oder man sucht permanent nach dem Kick. Nach Wathosen-Caches, Elektronik-Caches, Nachtcaches, bleibt dann noch die Kombination mit Terrain 5. Höher, schneller, weiter, gefährlicher, illegaler, abgefahrener. Langweilig! Alles schon gesehen.
Wenn man schon so weit ist, hat man es sehr schwer noch Gefallen am Hobby zu haben, da die Qualität der Caches nicht gerade ansteigt.
Aber was ist denn überhaupt ein Qualitätscache? Mir haben die simplen Multis, wo es nur in Metall geschlagene Koordinaten zu suchen galt, auch immer Spaß bereitet.
Wer als “Anfänger” jetzt einen solchen Cache legt, muss sich einiges von den “alten Hasen” anhören: “Hätte mir mehr gewünscht. Hätte man schöner machen können. Nicht sehr anspruchsvoll…”, oder man hört eben nichts: “Danke. TFTC.”
Die Anforderungen sind hoch, um den Maßstäben der Qualitätscacher gerecht zu werden. So sind die vermeintlichen Rotzdosen teilsweise gar keine, denn sie werden ja mit großer Beliebtheit von Cachern geloggt, dessen Maßstäbe etwas anders gewählt sind.
Ich beobachte einen klaren Trend zum Micro-Tradi für jedermann, da es dazwischen kaum noch Spielraum gibt für Caches, die man als “alter Hase” gut finden kann. Der “alte Hase” wird wohl irgendwann resigniert aufgeben, sich ein neues Hobby suchen, oder tolerant zum Cacher 2.0, 3.0 oder 4.0 werden müssen.
Was mache ich? Ich versuche mich auf das zu besinnen, was ich eigentlich am Geocaching toll finde, nämlich draußen in der Natur zu sein. Ich versuche meine Erwartungshaltung nicht zu hoch zu schrauben und auch simple Stationen toll zu finden. Nicht jeden Tag cachen zu gehen, weil man es MUSS, sondern dann zu cachen, wenn man darauf Lust hat.
Und wenn ich irgendwann keine Lust mehr habe, dann endet es auch nicht mit einem Knall, irgendeinem Eintrag im Forum, oder wildem Geschimpfe auf das Hobby, nein, dann gehe ich einfach. Still und leise.