Stage 1: Kiel-Cruise

Morgens um 5 ist die Welt noch nicht mein Ding. Aber auf „Schlummern“ drücken ist nicht. Schließlich soll es heute auf frühe Ausfahrt gehen. Um 5:40 Uhr aus der Tür raus und um Punkt Sechs Ankunft bei Familie Pitchbulls. Kurze und müde Begrüßung, und schon sind wir auf Asphaltkurs – Ziel Kiel. Auf dem Weg begegneten wir kurz noch mal Frau Schwarztaucher, die offensichtlich die Sightseeing-Tour durch Wewer gebucht hatte. Einziger Stau – zum Glück – die Schlange beim schottischen Spezialitätenrestaurant in Bispingen. Was ich nicht ahnte, das sollte in den nächsten zwei Tagen das günstigste Essen sein! En kurzer Tritt auf das Gaspedal, und schon hatte Herr Pitchbulls uns in da wohl hässlichste Parkhaus Kiel gebeamt. Beton im Rücken und vor uns der Premium-Ausblick auf unseren Kutter, die „Color Magic“. Was für ein Trümmer aus Stahl, da war sich die Paderborner Reisegruppe einig. Jetzt trennten uns nur noch wenige Fußminuten (D1,5/T2) vom Terminal am Norwgerkai.

Stage 2: Terminal-Geschichten
Im Terminal angekommen, musste man nicht lange suchen. Da, wo die Traube mit lustigen Shirts und für Außenstehende fremd anmutenden Gegenständen herumlungerte, musste es wohl richtig sein. Am Check-In-Schalter wurden uns unsere Bordkarten von der Deichgräfin und der Aligateuse überreicht. Ganz nebenbei konnten wir uns gleich im Event-Logbuch verewigen und Trackables bewundern. Und dann kam er. Mit weißer Mütze und weißem Hemd, Captain Iglu, ach nee, Kapitän Schweigert. Die schillernde Event-Lichtgestalt des Nordens. Der begrüßte uns freundlichst und übergab uns unserem Seefahrerschicksal. Und ebendieses wurde eingeläutet durch zwei Stunden kurzweiliger Wartezeit mit allerhand Gesprächen und jeder Menge nautischer Eindrücke. Aus der Nähe war das Schiff noch beeindruckender. Und dann war es so weit: Boarding!

Stage 3: Schiffserkundung
Sohn Marian bringt es auf den Punkt: Das sieht gar nicht aus wie ein Schiff. Eher eine Mischung zwischen Hotel und Einkaufspassage. Und nicht nur für Kinder spannend, die erste Erkundungstour. Und so ging es erst in die Innenkabine – Originalton: „Der Hammer“. Ein Klappbett und ein Klappsofa für müde Männer und ein kleines Bad. Prima. Dann die ersten Kilometer durch das Schiff: Magic Promenade, die Einkaufs- und Unterhaltungsstraße, Sonnendeck, Spielcasino für Kids, Aqualand-Schwimmbad, und, und, und. Beide Männer (11 & 42) waren begeistert. Mehrmals mit dem Glasfahrstuhl hoch und runter, und immer waren neue Ecken zu erkunden. Da haben sich die Norweger auf ihrer Fähre, die wie ein Kreuzfahrtdampfer ausgestattet ist, mal richtig was einfallen lassen!

Stage 3: Cache-Deck
22.04.2011 – 18:00 Uhr – Wenn ich nicht hier bin, bin ich auf dem Cache-Deck! Natürlich waren wir schon bei der Abfahrt zum Winken auf dem Oberdeck, das gehört sich schließlich so für waschechte Kreuzfahrer. Aber um 18:00 Uhr sollte das Cruising-Event auf dem hinteren Sonnendeck den ersten Höhepunkt erfahren. Zum Anglasen erschien Captain Schweigert pünktlich mit der Nordseetaufen-Flagge, die er fachmännisch am Mast vertäute und entfaltete. Das Schiff war jetzt fest in Cacher-Hand! Ansprache. Und schon waren die Cacher-Gespräche wieder im Gange. Kein Wunder, denn wirklich alle waren auf dem hinteren Deck erschienen. Wenige Minuten später schon der nächste Höhepunkt, die Passage durch die Große Beltbrücke. Da hängt doch bestimmt ein T5er dran, oder? Weit gefehlt, nur der Mystery Bridgespotting, und den zeigte mein GPS-Gerät nicht an. Wir sind aber wohl direkt unter dem Ratehaken durchgeschippert. Egal, denn jetzt sollte es erst mal in die Sports-Bar gehen!

Stage 4: Kombüse
Sohneman hat Hunger. Also ab in die bordeigene Burgerbratbude! Norwegisches Hotdog, Burger für den Papa, Pommes, Kartoffelsalat und Getränke. Über 40 Euro. Und ich hatte mich schon über die Dame amüsiert, die versucht hat mit einem Fünfeuroschein zwei Bier zu bestellen (eins kostet 5,80 Euro). Anscheinend sind die Preise an Bord dem norwegischem Lohnniveau angepasst. Und der gemeine Norweger ist anscheinend Ölscheich oder so etwas! Naja, nützt ja nix. Kurz das Gehirn abgeschaltet und den Fastfood genossen. Danach mussten die Beine allerdings kurz mal in die Horizontalposition gebracht werden. Kaum auf der Pritsche in der Kabine schnarcht der Papa Schwarztaucher schon so laut, dass alle auf einem Holzschiff Angst bekommen hätten. Aber zum Glück waren wir ja auf einem Stahlkoloss unterwegs.

Stage 5: T5-Show
Da muss dem Kapitän wohl ein kleiner Fehler unterlaufen sein, denn gegen 21:00 Uhr waren wir plötzlich in Richtung Paris unterwegs. Zumindest was das Show-Programm in der Magic Showlounge anging. Im Bord-Varieté wurde uns eine bunte Show aus Tanz, Gesang und seichter Unterhaltung geboten. Außerdem habe ich eine neue Partnerin für meine nächsten T5-Ausflüge gefunden: Svetlana. Das zierliche Persönchen – unser Show Highlight – machte so einige Verrenkungen an einem Tuch. Unter anderem zog sie sich mit eigener Kraft immer mal wieder ein paar Meter nach oben, um sich dann wieder künstlerisch in die Tiefe zu bugsieren. Grazil und gleichzeitig kraftvoll, dezente Sixpacks zwischen den Schulterblättern, wer braucht da schon eine Kletterausrüstung? Nach der Show war für Sohnemann und mich klar: Wir müssen jetzt schlafen. Dank Innenkabine war die notwendige Dunkelheit nach dem Ausknipsen der Beleuchtung schnell hergestellt. Und es war wirklich dunkel. Die drei übrigen LEDs (Fernseher, Klimaanlage und Rauchmelder) sorgten für stimmungsvolles Nachtlicht! Gefühlte drei Sekunden später waren Vater und Sohn auch schon im die Welt der Traumpiraten und Seenixen eingetaucht.

Stage 6: Hochzeitstag
So stelle ich mir einen perfekten zwölften Hochzeitstag vor. Mich gemütlich und genüsslich am reichhaltigen Frühstücksbuffet laben, gegenüber die für mich hübscheste Frau der Welt. Perfekt. Allerdings lief es etwas anders ab. Kurz vor Sieben: Bööööööhp. Was ist das denn? Alarm? Schleichfahrt? Notrettung? Alle Mann in die Rettungsbote! Frauen und Kinder zuerst! Nein, es war das noch unbekannte tröten des Kabinentelefons. Am anderen Ende des Rohres Herr Pitchbulls: „Seid Ihr auch schon wach?“. Nee, sind wir nicht! Beziehungsweise: Jetzt schon! Noch mal zurück in die Kissen und ein wenig das Adrenalin wabern lassen. Aber es nützt ja nicht. Ist der Geist erst geweckt, bekommt der Körper auch schon wieder Hunger. Und das Frühstücksbuffet ist ja im Preis mit drin! Also schnell mal klar Schiff gemacht und ab zum „Grand Buffet“. Vom Chef-Stuart wurden uns dann zwei nette Damen mit orientalischen Äußeren und kurzen Röckchen als Tischnachbarn zugewiesen. Und da Frau Schwarztaucher aus Arbeitsgründen den Hochzeitstag nicht mit uns an Bord verbringen konnte, mussten wir uns eben optisch mit den Beiden zufriedengeben. Die inoffizielle Version meines alternativen Hochzeitstages: Frühstück mit jungen Mädels, lost in Oslo, Abends tanzen die Puppen für mich in der Show, dann ein romantischer Deckspaziergang mit Herrn Pitchbulls zum Sonnenuntergang und am Ende ein gepflegtes Blondes in der Observation Lounge. Gar nicht so schlecht.

Stage 7: Oslo
Marian und ich haben beschlossen, wir erkunden Oslo im Kleinst-Team. Schließlich ist das ja unser persönlicher Vater-Sohn-Männerausflug! Los ging es zum Anlegen auf das Cacher-Deck. Erstaunlich, wie präzise so ein Kahn in den Hafen einlaufen kann! Dan zusammen mit Familie Pitchbulls und Familie Outdoorspirit in die norwegische Metropole. Aha, eine Menschentraube, da muss ein Cache liegen. Wie bei Großevents üblich das Logbuch anreichen lassen und geloggt. Erst später sollte sich herausstellen, dass es sich bei diesem Cache um das Final meines ersten multinationalen Multis handeln sollte, der in Kiel beginnt und in Oslo endet. Irgendwie passend für das Cruise-Wochenende. Kleine Anekdote am Rande: Eine Cacher-Frau, die nicht genannt werden will, nennen wir Sie mal Frau P., zeigt uns auf dem Stadtplan unsere Position in Oslo. Stadtplan. Kein Navi! „Wir sind genau hier!“ – Zeigefingerzeig. Von der Seite: „Das Ist doch der Stadtplan von Kiel.“ Ach so. Kurz geschmunzelt. Und dann im T-Shirt durch das auf über 20 Grad erwärmte Oslo, jetzt nur noch im Vater-Sohn-Team. Kurz bei König Harald angeklingelt, um ihm die Vorwarnung auszusprechen, dass gleich jede Menge verrückter erscheinen werden, die in seinem Land und in seiner Stadt jede Menge Dosen zu öffnen. Und Bierdosen waren hier nicht gemeint. Das wollte er wohl nicht hören, und deshalb ist er wohl auch nicht an der Tür erschienen. Vielleicht war er ja auch nicht zu Hause. Egal.

Wir sind dann mal weiter! Gucken, staunen, genießen, shoppen. Und auch noch einen weiteren Cache von einem Verkehrsschild gepflückt. So war der Statistik Genüge getan und wir konnten entspannt die Städtetour fortsetzen. Zunächst! Der Shopping-Höhepunkt meines Sohnes war der Erwerb eines Spiels für seine PSP. „Papa, das kostet hier nur 16 Euro, bei uns muss ich dafür 50 hinblättern!“ Irgendetwas musste hier ja auch mal günstig sein! Wahrscheinlich helfen die Spiele den Norwegern durch den kalten Winter und werden deshalb staatlich subventioniert. Aber das ist nur meine persönliche Vermutung! Viele Eindrücke und einige Stunden später sollte es mit der Entspannung auch schon wieder vorbei sein. Wann war noch mal das Ende der Einschiffung angesagt? Ein SMS-Dialog:
13:22 Uhr: Wann fährt der Kahn? (Rhetorische Frage)
13:23 Uhr: Jetzt! (Rhetorische und fordernde Antwort, Luftlinie zum Schiff 890 Meter)
13:24 Uhr: Wir eilen! (Das war Ernst gemeint, denn 13:45 Uhr ist Boarding-Schluss)
13:30 Uhr: Hurry up!!! (Pitchbulls macht sich wohl schon Sorgen, der kennt mich halt!)
Kurze Zwischenansage: „Marian, wir müssen uns jetzt echt ein wenig beeilen!“ (Und damit meinte ich beeilen!)
13:34 Uhr: Schiff am Horizont!
13:40 Uhr: Stop für ein Erinnerungsfoto vor dem Bug.
13:44 Uhr: Check-In! (Puh!)
Jetzt konnte die Fähre in Ruhe wieder ablegen! Wir jedoch mussten uns mal kurz ein wenig ausruhen. Fazit: Eine tolle Stadt!

Stage 8: Rückpassage
Im Whirlpool sitzen, Blick auf die spiegelglatte See, ab und zu mal auf die Wasserrutsche oder in den Strömungskanal, so ging es nach der Ruhepause an Bord weiter. Ein Hauch von Luxus im komplett besetzten Aqualand an Bord. Kulturelle Unterschiede sorgten dafür, dass das Hotdog für Sohnemann nicht mit Kartoffelsalat gereicht wurde, sondern der Kartoffelsalat im Hotdog. Egal, schmeckte trotzdem! Fein machen, Sonnenuntergang, Deckspaziergang und dann wieder zur Show. Diesmal wurde amerikanische Kost unter dem Motto „Route 66“ gereicht. Gleiche Truppe, andere Lieder. Heute Abend konnte sich auch Herr Pitchbulls von Svetlanas Fähigkeiten überzeugen. Feierabendbier in der Observation-Lounge (s.o.) – allerdings ohne Aussicht, denn irgendwer hatte diese schon verdunkelt, Kajüte, Augen zu!

Stage 9: Ankunft
Punkt 10 war der Kahn wieder in Kiel. Koffer waren gepackt, Verabschiedungen an Deck, und nach kurzer Zeit hatten wir wieder Kieler Boden unter den Füßen. Nach der Wanderung zum Parkhaus mussten wir die Parkgebühr bei einem echten Kapitän entrichten. Die Organisatoren haben wirklich an alles gedacht! Übergabe eines alten Bordcomputers, äh Computerboards (C128) von Herrn Pitchbulls an FreddiePepper, und schon waren wir wieder auf der Straße. Nur ein geplanter Zwischenstopp beim Restaurant zur Goldenen Möwe bremste unseren Rückflug, der planmäßig in Wewer endete.

Logbucheintrag
Wieder ein Erlebnis, das ich ohne Geocaching nicht gehabt hätte ;-)
Alles Perfekt!
Danke Alex!
TFTC!
Thank you for the cruise!


Spoiler

Viele Details fehlen, sind aber in unserer Erinnerung verankert!

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